Niederhöllischer Bote
"Warum eines verkaufen, wenn Du zum dreifachen Preis zwei loswerden kannst?" (aus Zholvars Erwerbsregeln)
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Lebenslauf des Wortkönigs



Das kaum zu bremsende, öffentliche Interesse nötigt es auch mir ab, ein paar Zeilen zu meiner Person zu verfassen, was erfahrungsgemäß wieder in eine langatmige Abhandlung ausarten wird.

Wie alles begann, entzieht sich aufgrund fehlender Präsenz meiner Kenntnis und ich verzichte hier auf nähere Ausführungen bezüglich meiner Vermutungen, da die Sache mit den Bienchen und den Blümchen wohl weitläufig bekannt sein Dürfte. Entgegen weit verbreiteter Gerüchte, gehe ich nicht davon aus, dass sich hier das Wunder der unbefleckten Empfängnis wiederholt hatte.

So wurde ich im Jahre des Herrn 1974 an den Ufern der Lahn (natürlich nicht direkt an den Ufern - meine Heimatstadt Wetzlar war nie für Pfahlbauten berühmt und verfügt sogar über ein Krankenhaus!) geboren. Die Bundesrepublik Deutschland hatte die Fußballweltmeisterschaft gewonnen Jethro Tull stellten ihr Album Warchild fertig und irgendwo in Sande sollte ein weiterer Sohn geboren werden, der den Ruhm des Namenlosen mehren sollte. Dem Geschichtskundigen verrät dies, dass es sich um die Zeit von Juli bis November gehandelt haben muss, allen anderen sei verraten, dass es der 12. September des Jahres war, der sich des glücklichen Ereignisses rühmen durfte.

Obwohl ich mich nicht gläubig mit Astrologie verfasse, ist es dennoch möglich, dass die den Jungfrau-Geborenen nachgesagte Erdverbundenheit dafür sorgte, dass ich nie die für den männlichen Deutschen anempfohlene Durchschnittsgröße erreichte. Aber bis sich dies herausstellte, sollten noch einige Jährchen ins Land streichen.

Die ersten Jahre meines Lebens galt ich als gutgelauntes und -genährtes Kind. Darüber hinaus fehlen jegliche Aufzeichnungen, die belegen könnten, dass ich damals irgendeine tiefer gehende Rolle in der weltgeschichtlichen Entwicklung gespielt hätte.

Soweit ich informiert bin, tauchten auch keine Gesandten des Namenlosen oder andere tapfere Fanatiker auf, um mich vor meiner Zeit zu beseitigen - eine Tatsache, die mich noch heute ein wenig schmollen lässt. Was zum Gehörnten war denn so Tolles an Raidri... lassen wir das.

Bedeutend für meine Zukunft hingegen war, dass man, nachdem man mich zu Anfangs nur für etwas trottelig gehalten hatte, feststellte, dass ich schlecht sehen konnte. Für eine rechtschaffene Entwicklung im handwerklich und sportlichen Sinne war das freilich schon zu spät, wie ich nicht müde werde zu behaupten, für Augenärzte und Optiker sollte der finanzielle Segen jedoch gerade noch rechtzeitig kommen.

Nachdem ich nun die Welt mit anderen Augen sah - nunja zumindest durch die Gläser einer Brille und relativ unverkrümmt - folgte eine Zeit im Kindergarten, während der ich mir einen redlichen Ruf als Haudegen erwarb, dessen ich zu meinem Bedauern inzwischen verlustig gegangen bin, und nebenbei noch Freundschaften schloss, die teilweise bis heute andauern. Auch war es mir möglich, mir nach zahlreichen Fehlversuchen die hohe Kunst des Schuhebindens anzueignen - eine Fertigkeit, von der ich noch heute profitiere. Irgendwann zu dieser Zeit habe ich auch lesen gelernt. Beeindruckendste Äußerung dieser Fähigkeit muss wohl das Vorlesen der Friedhofsordnung gewesen sein, denn meine begeisterte Tante erzählt noch heute davon - in den unpassendsten Momenten.

Die Vorstufe (gibt es die eigentlich noch?) und die Grundschule schlossen sich unvermittelt an und um den Dreh sind wir dann auch umgezogen - ich erwähne dies, um ein wenig mit der weltmännischen Erfahrung des allseits beliebten PhaNtoMs mithalten zu können.

Ja, ich denke es dürften wohl an die 200 Meter sein, die meine wertvollen Besitztümer innerhalb Wetzlars zurücklegten, bis wir das Refugium erreichten, wo das meiste von dem Krempel immernoch rumliegt.

Was gibt es zu der Grundschulzeit zu sagen? Hier lernte ich denjenigen meiner Freunde kennen, der sich in Zukunft als verlässlichster DSA-Kumpan erweisen sollte und mit dem sich bisher kein Zusammentreffen ergeben hatte, da er religiös fehlgeleitet den katholischen Kindergarten besucht hatte. Schönste Erinnerung aus dieser ersten Zeit der Freundschaft, ist die Behauptung des schon damals wesentlich Stämmigeren, ich könnte ihn nicht umwerfen, worauf er innerhalb kürzester Zeit durch einen Schienbeintritt und das darauf folgende Versagen seiner Beinmuskulatur eines besseren belehrt wurde. Ansonsten gibt es zwar auch noch einiges, aber hierzu verweise ich auf meine Autobiographie, die irgendwann erscheinen wird, wenn ich die verdiente Berühmtheit erlangt habe. Allerdings ist noch zu erwähnen, dass schon damals vom Lehrkörper drei grundlegende Eigenschaften meiner Person festgestellt wurden: "Kann sich gut in andere Situationen und Menschen hineinversetzen", "Ist altklug", "Hat eine motorische Schwäche".

Mit ersterer wurden mir also vor Erfindung des DSA die entscheidende Fähigkeit zum Rollenspiel bescheinigt, zu zweiter kann ich nur sagen, dass ich dem klug tatsächlich nun ein alt zugefügt habe und letzteres ist die liebenswert untertriebene Zusammenfassung meiner gesamten physischen Unfähigkeit.

Es kam wie es kommen musste. Ohne unnötigen längeren Aufenthalt in einer der Klassen wechselte ich dann an die Gesamtschule - für diejenigen, die nicht den Segnungen des sozialdemokratischen (hessischen) Bildungssystems ausgesetzt waren, sei kurz und unpräzise erläutert, dass es sich dabei um Haupt-, Realschule und Gymnasium in einem handelt. Auch hier hat es wohl einige Lehrer gegeben, die mich vielleicht nicht ganz unberechtigt für einen Klugscheißer gehalten haben. Wenn man meint, die schon in jungen Jahren tonnenweise gelesenen Bücher verschafften einem eine gewisse Weisheit, vermag man bei studierten Leuten eine gewisse Abneigung zu wecken...

Interessante Ereignisse, wie Tschernobyl und der erste Golfkrieg zeigten mir, wo ich mir mein hochglanzpoliertes Weltbild hinschieben konnte, die Konfirmation sorgte für festen Halt in christlichem Glauben und die Mitarbeit im Kindergottesdienst machte mich mit der geschäftigen Seite desselben bekannt. In die frühen Abschnitte dieser Zeit fällt auch meine Bekanntschaft mit DSA. Anfangs noch als interessante Möglichkeit angesehen, auf möglichst dicht bemaltem Kästchenpapier unterschiedlichste Monster abzumurksen und Schätze einzusäckeln (die Computertechnologie entwickelte sich damals ja erst langsam), stellten wir dann auch irgendwann fest, dass es auch mal ganz schön ist, dem ganzen einen Hauch mehr Realismus zuzugestehen und vielleicht nicht jeden Kampf problemlos zu gewinnen.

Wie es sich für Eltern gehört, standen diese dem mysteriösen Hobby recht kritisch gegenüber. Meinen Opa habe ich allerdings einmal zu Mitspielen überreden können, aber er durfte dann nicht mehr, weil er das ganze nicht ernst genug genommen hatte. Sein Held hieß "Tarzan", das muss man sich mal vorstellen. Meine Helden hatten klangvolle Namen wie Aragon (ja, ohne zweites "r"), Eliot, Merlin und Iwein und er kommt mit Tarzan - unglaublich so etwas...

Wie dem auch sei, nützten alle Klagen nichts und mein Vater musste sich anhören, er sei an dem Elend Schuld, weil er dem Kind den kleinen Hobbit und Herr der Ringe zum Lesen gegeben hatte.

Auf jeden Fall brachte DSA mir wiederum neue Freunde - wenn ich's genau betrachte, sind eigentlich all diejenigen, die ich als Freunde bezeichne, mehr oder weniger aktive DSA-Spieler (sollte uns das zu denken geben?) - doch das war nicht das, was meine Eltern mit "Du solltest mehr unter die Leute gehen" meinten. An meinem Desinteresse für die Betätigungsfelder eines "normalen" Heranwachsenden, wie z.B. Sport, Disco, Bier, Rauchen und Mädchen (oder wenn es garnicht anders geht: auch Jungen) änderte jedoch jegliches Einlenken der Erziehungsberechtigten nichts und auch der von mir widerwillig absolvierte traditionelle Tanzkurs sorgte hier nicht für Abhilfe. Es war zum Verzweifeln und ich gehe davon aus, dass es bei meinen Eltern zu einem Trauma geführt hätte, wenn meine Schwester das ganze gesellschaftliche Teenager-Leben knapp fünf Jahre später nicht mit Bravour nachgeholt hätte.

In den drei Jahren an der gymnasialen Oberstufe entwickelte sich dann langsam ein wenig Sinn für die Vorzüge des lasterhaften Lebensstils. Einen Zusammenhang der Einstellung der Kirchenarbeit mit dieser Tatsache werde ich auf Anfrage öffentlich bestreiten. Während ich mir schon auf der Abschlussfeier der Gesamtschule nach Paris den Kampfnamen "Äbbelwoi" erworben hatte, begann ich dem Namen langsam auch gerecht zu werden. Und nachdem die ersten meiner Kumpels den Führerschein gemacht hatte, fuhren wir meilenweit um uns mit Cocktails die Lichter auszuschießen, was selten gelang, weil Geld rar und Cocktails teuer waren. Auch die aufreibende Sportart des Poolbillards übte ich mit größerer Begeisterung als Begabung aus und lernte den Geschmack ersäufter Kinder schätzen, den man dem Guinessbier zuschreibt. Auch überwand ich mich zu Diskobesuchen und stellte fest: in manchen davon spielen sie gute Musik (wobei das ein Thema ist, mit dem ich noch einige Seiten füllen könnte). Das Auftreten eines nicht geringen Interesse am weiblichen Geschlecht ist ebenfalls diesem Zeitraum zuzuordnen, doch eine Annäherung an die Subjekte der Begierde wurde stets von einem gewissen Gefühl des Unwohlseins sabotiert, was im Allgemeinen mit krankhafter Schüchternheit diagnostiziert wird. Vielleicht half die mit Einsamkeit (*schnüff*) verknüpfte zusätzliche Zeitreserve mir zu einem recht passablen Abschluss, der von meiner Schwester etwa fünf Jahre später noch um zwei lächerliche Wertungspunkte (nein, nicht Rangpunkte) übertroffen wurde, was mich ein Essen beim Chinesen kosten sollte.

Ja, Autofahren lernte ich dann auch irgendwannt, bestand sogar die Führerscheinprüfung und schaffte es innerhalb kürzester Zeit alles wieder zu vergessen.

Danach stellte sich dann die Frage Studium oder Arbeit - zu meiner nicht geringen Freude stellte sich die Frage Zivil- oder Wehrdienst wegen ärztlich attestierter Unfähigkeit nicht. Geschichts- und Germanistikstudium standen hier zwar durchaus zur Debatte, wurden aber nach längerer Abwägung fallen gelassen. Schließlich wollte ich auch davon leben können und Lehramt kam für mich nicht in Frage (allen jetzt betroffen schauenden Studenten sei ein "ihr werdet es schaffen Leute!!!" auf den Weg gegeben). Nebenbei liefen zahlreiche Bewerbungen, die nicht gerade Erfolg zeigten. Recht deprimiert bekam ich dann die Zusage für einen Studienplatz für die Rechtswissenschaften (im nachhinein betrachtet wohl auch nicht viel erfolgsversprechender als Germanistik und Geschichte) und ein Stellenangebot für den gehobenen Dienst bei der Bundesanstalt für Arbeit (soll doch nochmal einer sagen, das Arbeitsamt könnte keine Stellen vermitteln).

Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf den Dach (entgegen meiner früheren, anderslautenden Behauptungen ist dieses Motto nicht als Plädoyer für die Selbstbefriedigung anzusehen) dachte ich und wurde Beamter.

Es gibt ja vielfältige Vorurteile zu Beamten und auf mich trifft zumindest zu, dass ich ein nachtragender Korinthenkacker bin. Es wird somit empfohlen, jegliche negative Meinungsäußerung über den Berufsstand des Verfassers demselben gegenüber eingehend zu überdenken, da eventuelle Reaktionen bleibende Schäden an Geist, Körper und Seele zur Folge haben könnten, was an dieser Stelle bedauert wir, wofür jedoch keine Haftung übernommen werden kann.

Meine Tätigkeit erstreckte sich zunächst auf das Gebiet des Insolvenzgeldes (ein sehr beliebtes Feld in Frankfurt am Main, einer der Hauptstädte des Neuen-Mark-Booms), später wechselte ich dann in den Bereich der Angelegenheiten nach dem Sozialgerichtsgesetz (Widerspruchsstelle) - hier lässt sich ebenfalls nicht über Arbeitsmangel klagen.

Mit dem Ende der Schulzeit begann dann also die Phase, in der ich mehr Geld als Zeit zur Verfügung hatte und sich meine DSA-Runde in alle Himmelsrichtungen verstreute. Gut, dass ich im RPG-Forum eine Ersatz-DSA-Familie fand und hier auch das verfluchte PhaNtOm kennenlernte. Eine gewisse Seelenverwandtschaft mit diesem würde ich vermuten, hätte es die seine nicht schon seit Äonen an den Namenlosen verpfändet. Aber auch ohne Seele, war es nicht schwer mich zu Mitarbeit an dieser Seite zu bewegen. Es mag Leute geben, die sich gerne reden hören. Ich sehe mich gerne schreiben - besonders auf www.das-Phantom.net .



Gruß



Raidri Con... äh... ><




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