Niederhöllischer Bote
„Beschwörer sollten sich was schämen.“ (aus den Kennzeichnungstexten für Beschwörer)
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Die Schöpfung, wie sie wirklich war

eine Tragödie in einem Akt



Wie wir soeben aus dem Propagandabüro des Dämonensultans erfahren haben, wurde beschlossen, den Sterblichen der dritten Sphäre nach zahlreichen Schöpfungsmythen aus den Händen der Götter oder anderer Verrückter nun auch eine authentische Schöpfungsgeschichte aus der Sicht der Niederhöllen zu präsentieren. Schließlich waren wir ja als Einzige schon vorhanden und wissen es daher am besten.
Nun also „Die Schöpfung wie sie wirklich war – eine Tragödie in einem Akt“

Es geschah, eine Zeit- oder Ortsangabe wäre hier vielleicht angebracht aber völlig unmöglich, schließlich waren beide – also Zeit und Ort – noch nicht geschaffen, beschränken wir uns also auf die zwei anfänglichen Worte, denn sogar Angaben wie „Vor langer langer Zeit“ wären in gewisser Hinsicht total falsch, wenn auch wahrer als alle anderen. Da aber „Es geschah“ ein blöder Anfang für diesen Bericht ist, wenn man ihn durch nichts ergänzt, einigen wir uns auf etwas unverfängliches, dass, wenn es auch nicht vollständig richtig ist, zumindest schwer widerlegbar scheint.
Es geschah kurz vor der Zeit an keinem Ort, dass ein kleiner Dämon namens Difar durch das brodelnde Chaos sauste um eine wichtige Neuigkeit von einem nichtvorhandenen Ende der Niederhöllen zum anderen zu bringen. Nirgendwo wurde er dann eines seltsamen kleinen Flecks gewahr, den er nie zuvor gesehen hatte. Und dass, obwohl er offenbar schon immer genau an diesem Ort existiert hatte. Unmerklich hatte dieser Fleck nämlich mit seinem Auftauchen sowohl Zeit als auch Raum, die beide gelangweilt am Rande der Möglichkeiten gewartet hatten, geweckt und in Gang gebracht. Neugierig sauste Difar ein wenig näher und kam nun auch zum allerersten Mal tatsächlich an einen Rand der ansonsten ziemlich unendlichen Niederhöllen.
Der Fleck entpuppte sich bei näherer Betrachtung als ein ziemlich kleines Wesen, dass dennoch alles was war beinhaltete, war es doch die gesamte Schöpfung. Sternenlose Augen richteten sich auf den kleinen Dämon, der ziemlich verschüchtert zurückschaute um sich dem fragenden und bohrenden Blick nicht völlig zu ergeben. Als dann jedoch dieses Wesen gar eine Hand nach ihm ausstreckte, war es für unseren tapferen kleinen Difar zu viel und er floh direkt zum Dämonensultan. Dort angekommen wartete ein weiterer Difar, der Ähnliches zu berichten hatte, allerdings aus einer ganz anderen Ecke der Niederhöllen. Offenbar waren gleich zwei dieser Schöpfungsdinger aufgetaucht. Hinreichend besorgt und auch ein wenig verärgert bellte der Dämonensultan einige undurchführbare Befehle und bestrafte hier und da einige weniger Schuldige um sich dann auf den Weg zu diesen Phänomenen zu machen.
Die Phänomene hatten inzwischen offenbar die mitgeschaffene Zeit gut genutzt und den nagelneuen Raum zwischen sich fast vollständig durchquert, gerade so, als hätten sie die Anziehungskraft gleich miterfunden. So konnte der Sultan also beide Flecken zugleich besuchen, anstatt wie vorher nicht geplant nacheinander. Wobei ihm erst beim Aufbruch klar geworden war, dass er nie zuvor etwas „nacheinander“ getan hatte, weil es so was einfach nicht gegeben hatte. Fest entschlossen also, dieser Epidemie ein Ende zu bereiten, erreichte unser aller Herr zwei Wesen, die gerade dabei waren, sich zu sehen und – wie unser aller Meister aus zahlreichen Seifenopern wusste – sich auf den ersten Blick zu verlieben. Bei dem Gedanken daran, was zwei solcher Wesen völlig ohne irgendeinen vernünftigen Zeitvertreib den ganzen Tag anstellen könnten und wie viele weitere Wesen dadurch geschaffen würden, schüttelte sich unser geplagter Sultan und erschien vor einem der beiden Wesen um ihm die Sicht auf das andere Wesen zu versperren. Das Wesen wirkte verwirrt und unternahm zahlreiche Versuche an dem Sultan vorbeizukommen, aber gegen die überragenden Manndeckungsfähigkeiten unseres besten Verteidigers konnte so ein frischgeschaffenes Wesen natürlich nicht ankommen. Als dann aber das andere Wesen von hinten immer näher kam und danach trachtete unserem breitschultrigen Herrscher über selbige zu schauen, griff er zu einer folgenschweren List. Um sich etwas Zeit zu erkaufen, stach er dem Wesen vor ihm mit zwei Fingern in die Augen und wollte sich dann dem Wesen hinter ihm widmen. Der geblendete vor ihm, war jedoch über diese harmlose Finte so erzürnt, dass er ausholte und einen ungeschickten aber dennoch heftigen Schwinger in die Richtung unseres Despoten schickte. In zahlreichen Schlachten gestählt, war es unnatürlich gar kein Problem für den Dämonensultan, sich rechtzeitig zu ducken, unglücklicherweise galt das jedoch ganz und gar nicht für das andere Wesen hinter unserer Majestät, die den Schlag mit voller Wucht auf ihre zierliche Nase bekam. Da diese Wesen offenbar an körperlichen Auseinandersetzungen gar nicht gewöhnt war, fiel sie sanft wie eine Feder und sogar ein wenig theatralisch zu Boden und blieb liegen. Das größere Wesen, das nun langsam wieder sehen konnte, war sichtlich erschüttert und obwohl das am Boden liegende Wesen ganz offenbar nur ein wenig ohnmächtig war, gab sich der Schläger die Schuld an ihrem „Tod“ und weinte bitterliche Tränen.
So viel Schmalz konnte selbst der Dämonensultan nicht ertragen und entfloh in die anheimelnde Brutalität seiner Festung in der er heute noch versucht, so was wie einen Plan für den Tag zu schmieden, an dem SUMU aus ihrer Ohnmacht erwacht...


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