Niederhöllischer Bote
"Skelette sind pflegeleicht, aber erst Zombies sorgen für Ambiente." (aus Tjakools Alptraummemorandum)
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Was trägt der Paktierer von Welt ? Herbstmode für dei Verdammten



Frisch aus dem sonnigen El' Burum zurückgekehrt, fällt es mir noch schwer die schillernden Extravaganzen der oronischen Modenschauen auf nüchtern weiße Menschenhaut zu tätowieren. Doch will ich Ihnen liebe Leserinnen und Leser nicht vorenthalten, was sich mir an atemberaubenden Kollektionen schier in die Netzhaut einbrannte. Eingeladen von Mohris Maultiér, dem Schöpfer des hinreißenden Nichts von Amtstracht der Moghuli Dimiona, verbrachte ich wundervolle Stunden auf dem Rücken gut gepolsterter Sklaven mit gutem Blick auf den Laufsteg, wo vorzüglich ausgewählte Sklavinnen und Sklaven den letzten Schrei oronischer Schaffenskunst präsentierten. Zur Erheiterung des Publikums, soviel sollte noch zu Beginn gesagt werden, trug es stets bei, wenn der letzte Schrei wortwörtlich wurde und sich die Modelle durch einen Fehltritt auf den mit Blutrosen bestreutem Laufsteg in die links und rechts angrenzenden Wasserbassins mit Zierfischen aus dem südlichen Regenwäldern beförderten, deren Namen ich leider vergessen habe.
Den Anfang machte verständlicherweise die Belkelel gewidmete Creation. Ein Cape transparenter Seidenstoffe in edlen Rottönen bedeckt Schultern und den Rücken und lässt das Gesicht hinter einem verheißungsvollem Schleier verbergen, während der Rest des Körpers, bis auf die obligatorischen hohen Stiefel von Stoff und Leder unbedeckt bleibt und mit frischem Stutenblut kunstfertig mit Auszügen aus dem Buch der Verheißungen verziert wird. Durchaus anregend, doch eher für den oronischen Herbst geeignet, so man es nicht versteht Qual und Lust gefällig zu verbinden. Eher künstlerisch zu werten war wohl der kurze Auftritt des Widharcalmodels, welches schreiend mit bleibeschwerten Füßen als lebende Fackel für einigen Wind sorgte, bevor es im rechten Bassin des konkurrierenden Wassers unspektakulär erlosch. Ganz anders der Auftritt der Charyptoroth-Kollektion. Augenscheinlich samtweiches Delphinleder, nachtblau gefärbt, schmiegte sich in einer Art Ganzkörperbekleidung um den Körper des Mohasklaven. Augengläser aus opakem dunkelblauem Gestein verliehen einen kühlen Blick, der durch die hinter dem Rücken verschränkten Arme eine geradezu tiefseeische Aura entstehen ließ. Ob es der Walbartenkrone noch bedurft hätte, will ich gerne der Einschätzung der werten Leser überlassen. Ähnlich distanziert gestaltet sich die Mode für den Tjakool-Paktierer. Der Mantel aus Moorleichenleder über einem Wams aus totenfahlem Leichenhemd aus alanfanischer Spinnenseide wird ebenso wie die neckischen Accessoires, gefertigt aus gut abgehangenen Knochen, jederzeit für ausreichenden Abstand sorgen. Die Jünger des Tasfarelel werden mit Entzücken feststellen, dass auch diesmal der Beutel nicht all zuviel vom geliebten Gold hergeben muss. Nach dem absonderlichen Motto "Geiz ist geil" präsentiert Maultiér hier einen schlichten Gürtel aus grob verflochtenem Hanf mit einem Geldsäckel, welches ursprünglich wohl im Transport scharfer Gewürze Dienst getan hat. Ausgefallener präsentierte sich hier schon das Modell, des Belhalharkultes. Bei dem zwingend erforderlichen eisenbeschlagenem Schuhwerk und einer unüberschaubaren Vielzahl an Plattenteilen ist festzustellen, dass Enduriumschwarz wieder en vogue ist und die Gestaltung von Sägezähnen und Widerhaken vielversprechende Fortschritte gemacht hat. Die Blakharazzi dürfen sich auf eine erfreuliche Lockerung ihrer Kleiderordnung gefasst machen. Waren früher strenge Roben und muffige Kutten an der Tagesordnung, wird heute die tyakramangefällige Ordnung in senfgelben Hemden und moosgrünen Jacken und Hosen durchgesetzt, für die kälteren Tage gibt es hierzu eine dunkle Jacke aus Lindwurmleder. Ein schickes Schirmmützchen in weiß mit Hoheitsabzeichen, sorgt doch für die Herstellung einer gewissen Vertrauensbasis zwischen Ordnungskraft und Delinquenten. Amazeroth blickt wohlgefällig auf kostbare Roben aus Einhornhaar, die mit phantasmorgischer Magie geladenen Edelsteinen verziert sind. Diese blinken in Heptagrammform in regelmäßigen Abständen auf, so dass sich der siebenzackige Stern erst im Zentrum mit blutrotem Leuchten füllt, dieses dann schwefelgelb umrahmt wird, sich ein Rahmen aus giftgrünem Glitzern anschließt und darauf hin ein sehnervzerfetzendes violett die Zacken ausfüllt, dieses herrliche Arrangement blitzte daraufhin dreimal auf, worauf sich die Nichtpaktierer in den ersten sechs Reihen in wahnsinnigen Krämpfen und Zuckungen auf dem Boden wanden, erlischt dann und erfüllt daraufhin in der beschriebenen Reihenfolge wiederum den Laufsteg mit unheiligem Leuchten. Aus welchem Grund sich nach jeder vierten Wiederholung ein schallendes, fast unhörbar tiefes "Hohoho" anschloss, was bei den Leidgeplagten in der ersten Reihe zu spontanem Nasen- und Ohrenbluten sowie Erbrechen führte, gibt zu wilden Spekulationen Anlass, ist aber durchaus als dem Herrn des Wahnsinns würdig anzusehen.
Prachtvolles wurde auch für die Anhänger Lolgramoths dargeboten. Ein den ganzen Körper wie eine zweite Haut umfassendes Gewand aus glänzender Spinnenseide in grün und blau, das Haupt gekrönt mit einem Helm aus vergoldetem Stahl, welcher nach vorn spitz zulief, ohne die Runde Grundform zu verlieren und nach hinten zu einem veritablen Horn auslief. Das Schuhwerk war aus hellem Gazellenleder und mit dem Zeichen der verderbten Luft, einem elegant geschwungenem Haken, verziert. Gerade das Schuhwerk erbebte und vibrierte geradezu vor ungeduldigem Bewegungsdrang, was sich für die Darstellerin als ungünstig erwies, da sie vor Ende des Laufsteges nicht zum stehen kam. So kann ich auch hier nur diesen unzureichenden Eindruck wiedergeben.
Enttäuschend wirkte die Asfalothkombination. Ob sich das Wesen der ewig Wandelnden und Verwandelnden in einer schlichten Wendejacke aus Echsenleder und Brokat, sowie den zugegebenermaßen herrlich mit Chimären bedruckten Hosenrockbeinlingen maraskanischen Stils hinreichend widerspiegelt, darf getrost bezweifelt werden.
Eher traditionell und mit wenig Neuerungen zeigte sich die Tracht der Miskharapaktierer. Ein paar neue Schimmelsorten, die Fliegen sehr nett drapiert und auch die Stola aus Rattenkadavern recht ansprechend. Alles in allem könnte man jedoch meinen, Maultiér sei nichts rechtes eingefallen, wie das Althergebrachte innovativ zu neuem Unleben erweckt werden könnte.
Ein großes "Hurrah" und ein wirkliches "Futter bei die Fische" gab es dann als die Nagrachcreation aus kostbarsten Firunsbären und -hirschenpelz gefüttert mit Wolfspüschelfell vorgeführt wurde. Wilde Gestalten stürmten auf den Laufsteg und kippten unter wüstem Geschrei und Worten wie "Tiermörder" und "lieber nackt als mit Pelz" zähe Farbe auf die Rauchwaren. Der Laufstegmechanismus sorgte zufriedenstellend für ein Abkippen der Störenfriede in die zierenden Wasserbassins. Ein wenig schade um den schönen Mantel, aber etwas Schwund ist immer. Wie sich die Einsatztruppe Pelztier-errettender-Tsa-Anhänger durch die Sicherheitsmaßnahmen schmuggeln konnte ist noch immer nicht geklärt, aber ich bin zuversichtlich, dass auch dieses Rätsel seine Lösung finden wird.
Einstweilen bleibt mir nichts weiter übrig, als noch einmal das herrliche Buffet zu erwähnen, an dem man sich im Anschluss labte - in der Hoffnung nicht die Form zu verlieren, für das ein oder andere textile Mitbringsel.

In der Hoffnung Ihnen ein wenig Vorfreude auf das gemacht zu haben, was führende Boutiquen demnächst anbieten werden.

Ihre

Ni Guaren

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