Niederhöllischer Bote
"Wer fragt, ist nur zu faul zum Foltern." (12. Kapitel der inquisitorischen Leitsprüche)
Wissenschaft Immanuel Zant Psychotest Lebensart Geschichten Gesänge
Kurzer BilderspaßDer NamenloseBekanntmachungenKultur und UnterhaltungLeserbriefeTitelblattMitarbeiterHin- und VerweiseAuf einen BlickImpressumDie Siebte SphäreRestweltSport


Speisen im Lokal 'Zur Schwarzen Auster'



Des Menschen Zunge ist ein erstaunliches Organ. Sie unterstützt die Verständigung recht prächtig, lässt uns lobpreisen, fluchen, singen und lamentieren, auch lässt sie sich recht zuverlässig einsetzen zur Beglückung von "ihm" oder "ihr", wenn das Glied, welches mit dieser Aufgabe ursprünglich vertraut, erschöpft und schlaff danieder sinkt.

Doch höchster Zweck und größter Dienst, ist ihre Eigenschaft, das Faule vom Frischen, das Würzige vom Faden, das Unerfreuliche vom Wohlschmeckenden zu scheiden. Zu meinem Schrecken muss ich allerdings immer wieder feststellen, dass in der täglichen Einfalt des Gewöhnlichen, in der regelmäßigen Einnahme des Notwendigen, jener rosenroter Indikator für sinnlichen Genuss, verkümmert, verdorrt und zu einem grau angelaufenen Werkzeug wird, dass lediglich dazu dient, die letzten Reste faden Fleisches zwischen den Zähnen hervorzuzerren, bevor hier Finger oder gar Zahnstäbchen zur Hilfe genommen werden.

Als Mensch, der sich dieses herrliche Organ in seiner Ursprünglichkeit bewahren konnte, sehe ich es als meine Pflicht an, gleichgesinnten den gewundenen Pfad, der zu herrlicher Speise führen mag, aufzuzeigen und jene vor Nepp und Schweinefraß zu warnen, deren Sinne in dieser Frage versagen.

Sozusagen im Dienste der Menschheit, der kulturschaffenden Humanoiden und jener erstaunlichen dämonischen Wesenheiten, die sich einen Geschmackssinn entwickeln konnten, machte ich mich als of den Weg zu jener Lokalität "Zur schwarzen Auster" deren Name zu einem schlichten "die Auster" verschliffen als aktuelle Speiseempfehlung an mein Ohr getragen wurde. Viele Worte wurden schon gesprochen, über die Verderbtheit Elburums und Orons, über Elend Leid und Gewalt, doch ich muss sagen, dass gerade an so einem Ort, wo sich der eigene Lebensstil um ein Vielfaches von dem abhebt, was dem niederen Bürger zur Verfügung steht, gerade dort, wo Hunger und Elend die Gesichter der Sklaven zeichnet, das individuelle Wohlbefinden beim Auskosten der Möglichkeiten, die gesunde Finanzressourcen und gehobener Stand bieten, noch eine Spur stärker zu sein scheint.

"Die Auster" selbst, um mich der Umgangssprache anzupassen, ist wenig spektakulär, in einem schon fast heruntergekommen zu nennenden Gebäude untergebracht, was den lingualen Feingeist jedoch bekanntlich nicht abschrecken sollte. Tritt man ein und besteht man den prüfenden Blick der flink huschenden Augen, des geschmacklos provokant gekleideten und ölig freundlichen Wirtes, offenbart der zweite Blick eine hintergründig schlichte, aufwendig gestaltete Einrichtung, die sich in ihrer morbid heimeligen Art, unter den gehobenen Speiselokalen jüngeren Gründungsdatums zu verbreiten scheint, wie der Schimmel auf einem Stück schlecht gelagerter Sikrami.

Was man auch immer vom Ambiente halten mag, ist doch Speis und Trank das, worauf es mir ankommt. Sicher gibt es Menschen, die im Brustton der Überzeugung verkünden, dass Auge äße mit. Die Leser meiner Ausführungen dürfen sich jedoch gewiss sein, dass diese damit lediglich ihre Unfähigkeit zur selektiven Wahrnehmung zum Ausdruck bringen, wobei ich hier selbstverständlich ausdrücklich jene Wesenheiten ausschließen möchte, die tatsächlich mit den Augen speisen, wie beispielsweise einige vom 13. in besonderer Art gesegnete Geschöpfe.

Jene Stätten, der sogenannten neuen Küche verstehen es hervorragend, mit exquisiten Zutaten, exotischen Gewürzen und fantasievollen Namen für ihre oft unangemessen kostspieligen Gerichte zu locken und zu blenden, so bestellte ich zunächst einen einfachen Landwein, Fladenbrot und einen gemischten Salat.
Jeder weiß, der gemischte Salat ist dem aufrechten Wirt ein Gräuel, ist doch die Bereithaltung frisch geernteter Pflanzenteile in ausreichender Menge mit einem logistischen Aufwand verbunden, der keinesfalls mit der allgemeinen Beliebtheit und erst recht nicht mit dem Nährwert derselben in Einklang zu bringen ist.
Dennoch gelang es dem heuchlerischen Wirt meine Bestellung mit einem Lächeln aufzunehmen und mir in kurzer Zeit einen Roten zu bringen, der in der Tat durch seine Schlichtheit bestach. Grundsätzlich kein Freund offener Weine jeglicher Art, konnte ich hier nicht den leisesten Hauch des Verfalls ausmachen, als mir der herbe und gleichermaßen würzige 24er Schloss Entthing auf die bewährte Art hinabglitt.
So wurde mir die Zeit bis zur Reichung der Vorspeise auch nicht zu lang, wobei ich diese freilich weniger des Geschmackes wegen, als vielmehr zur Klärung der Frischefrage bestellt hatte.
Nach einigen wenigen Bissen hatte sich dieser Punkt zu meiner Zufriedenheit geklärt und ich ließ abräumen.
Die Speisereste wurden jedoch vom Wirt nicht in die Küche zurückgebracht sondern in ein finsteren Loch in der Wand geworfen, zu dessen Inhalt und Tiefe ich mir keine Gedanken machte, um mir meine unbelastete Nachtruhe nicht zu gefährden.
Die weitere Speisefolge ließ ich vom Wirt bestimmen. Eine recht unvorsichtige Vorgehensweise, von der ich dem geschätzten Leser nur abraten kann. Mehr als ein Gastronom versucht mit den Empfehlungen des Hauses und dem Tagesmenü gerade die Zutaten loszuwerden, die auf oder bereits jenseits der Grenze zur Widerwärtigkeit ein magenverwirrendes Volkstänzchen aufführen. Sich also guten Glaubens in die Hände eines Menschen zu begeben, der seinen Unterhalt mit dem Verkauf von Lebensmitteln verdient, spricht entweder für eine bodenlose Naivität, ausgeprägten Hang zur vorzeitigen Beendigung des Aufenthalts in der derischen Existenzebene, oder ist, wie in meinem Fall, ein gerissener Versuch, dem Wirt ein leichtes Spiel vorzugaukeln und seinen heimtückischen Charakter dadurch auf ein Eis zu führen, dass nur das Firnelfenvolk in einer solchen Glätte durch hinreichendes Schmirgeln mit zartem Fleisch straffer Hinterteile... ich schweife ab.
Nunja, was soll ich sagen. Sowohl die Terrine von der Seeschlangenbrut, als auch das Shadiffilet zu Rauschgurken-Kartoffel-Auflauf mundeten recht prächtig.
Ein wenig zu herzhaft für meinen Geschmack war die Pasta Maraskabiata. Hier wäre weniger mehr gewesen, ein Grundsatz der beim Würzen mit Erzeugnissen der Echseninsel in schöner Regelmäßigkeit gilt. Beruhigen konnten sich die Geschmacksnerven dann an einem prächtig aromatischen Xorloscher Bergkäse, der zu meinem Entzücken den Eindruck erweckte, als versuchten die Nasenschleimhäute sich umzustülpen. Als sich dann der Koch an meinen Tisch begab, um vor meinen Augen mit erheblicher Geschwindigkeit und Virtuosität seines massigen, dem Geruch nach nicht unbedingt zweifelsfrei lebendigen Körpers, interessante Fleischstückchen zu zerhacken, um diese kurz mit verschiedenen Kräutern und Zutaten in ausgelassenem Waltran zu braten, musste ich tatsächlich meine Geschmacksknospen zusammennehmen, um die einzelnen Bestandteile jener raffinierten Speise zu analysieren, deren Nennung an dieser Stelle wohl auch ein wenig zu weit führte und die vielleicht den ein oder anderen Besucher dazu verleiten könnte, von einem Besuch in dieser durchaus empfehlenswerten Gaststätte abzusehen.
Nach einigen Flaschen durchweg angenehmen, wenn auch nicht spektakulären Weins und Verköstigung des Nachtischs, der wäre Süße gleichbedeutend mit Kälte meine Zähne hätte zerspringen lassen, gönnte ich mir noch eine Mohiba, eine Mohaccazigarre, die von den dortigen Ureinwohnerfrauen persönlich zwischen ihren bronzebraunen wohlgeformten Schenkeln... ich schweife ab.
Einen Besuch in der Auster kann ich abschließend nur empfehlen, sollten sie dort auch Speis und Trank zu sich nehmen wollen, sind nicht unwesentliche finanzielle Mittel oder zumindest der feste Wille, Leib und Seele zu verpfänden, angeraten.
Und ja - meiden sie die Auster wenn folgender Aushang zu sehen ist: "Heute lebende Musik". Zum trifft das auf eine große Anzahl der Musikanten nicht zu, zum anderen brauchen diese Klänge durchweg gute Nerven.
Persönlich werde ich mich noch einige Male dort aufhalten. Zum einen würde ich doch allzu gerne einmal einen Blick in die mysteriöse Küche und die scheinbar grenzenlosen Vorratskammern werfen, zum anderen wurden mir aufgrund meiner recht positiv ausgefallenen Kritik noch zahlreiche Gratismahlzeiten offeriert.... ich schweife wieder einmal ab.

Wohl bekomms.

Ihr

Guisberd le Graspetit

Nach Oben Zurück